der Jugend gehört die Zukunft

In letzter Zeit bemerken immer mehr Züchter, Vereine (auch Sonder(bare)vereine) und Funktionäre (des BDRG, VDT, KCD usw.) dass der Rassegeflügelzucht der Mitgliedernachwuchs fehlt.

 

Es wird viel diskutiert und auch geschrieben, Gründe werden gesucht und auch gefunden, aber Keiner nannte bisher das Kind beim Namen.

 

Denn die Wahrheit ist, die Jugendlichen werden von "uns" konsequent ausgegrenzt. Offensichtlich wollen die etablierten Spitzenzüchter keine Konkurrenz und schon gar nicht von Kindern und Jugendlichen.

 

Die jungen Züchter müssen Ihre Tiere mit Jugendringen kennzeichnen. Schon die hässliche Farbe derselben ist eine Diskriminierung. Das Alter der Tiere lässt sich nur durch einfangen bestimmen. Ein Tier mit einen Jugendring erreicht niemals, selbst bei besserer Qualität den gleichen Verkaufspreis, wie ein Tier mit normalen BR.

 

Bei den Ausstellungen dürfen die Tiere nur in der Jugendabteilung, welche sich meist in der hintersten dunkelsten Ecke befindet gezeigt werden. Bewertet werden diese dann oft nicht von dem durchaus anwesenden Sonderrichter, sondern von einem Allgemeinrichter (Gruppe A bis K + Ziegen und Schweine). Die "Ehrenpreise" in der Jugendschau sind dann oft die silbernen Staubfänger (Pokale genannt). Staubwischen ist total cool?

 

Soweit zu den Tatsachen, welche bestimmt noch nicht vollständig sind.

 

Es ging auch schon mal anders und zwar im Osten Deutschlands, zu einer Zeit als West-Berlin noch eingemauert war, in der DDR.

 

Die jugendlichen Züchter im VKSK benutzten die gleichen Ringe, stellten Ihre Tiere (bei halben Standgeld) in den gleichen Reihen aus, hatten den gleichen Zuchtrichter und wussten so wo Sie mit Ihrer Zucht stehen. Eine hohe Bewertung und Ehrenpreise hatten einen echten Wert und waren nicht nur Geschenke. Die Abnahme des Ausstellungskatalogs war nicht Pflicht. Außer beim Standgeld gab es hier also nix geschenkt, aber die Jugendlichen waren mitten drin und nicht nur dabei und es gab richtig Antrieb wenn man nur güh und büh Bewertungen bekommen hatte und noch mehr wenn die Bewertungen weit vorne angesiedelt waren.

 

Die Jugendlichen wurden mit Bruteiern von den richtigen Zuchtstämmen zu normalen Preisen unterstützt, heute hört man "ich verkaufe keine Bruteier".

 

Ich möchte hier keine Ost-West Diskussion entfachen, zumal es zwischen Rassegeflügelzüchtern immer welche gab, die sich auch über die Mauer hinweg befreundet und "Zuchtmaterial" ausgetauscht haben, aber aus eigener Erfahrung (da ich 1967 in Ost-Berlin geboren bin, musste ich diese halt in der DDR sammeln) weis ich, dass ich mich damals als vollwertiges Mitglied gefühlt habe.

 

Ein weiterer Ort wo die Jugendlichen diskriminiert werden sind unsere Fachzeitschriften. Wenn es jemand schafft einen Bericht über eine Jugendschau zu veröffentlichen steht dieser wieder nicht ganz weit vorn im Heft. Die Fotos sehen dann immer gleich aus, mehrere hochrangige Funktionäre mit Namen, Titel und Rang sowie die 2 - 3 namenlose erfolgreiche Jugendliche. Was für eine Arroganz, was haben die Funktionäre überhaupt auf dem Foto zu suchen, sogar der Chef der Futtermittelfirma wird namentlich erwähnt und die 2 - 3 (manchmal mehr) Nobodys mittig vorn sind austauschbar,  oder was? (siehe Foto rechts, bitte anklicken!) Man beachte die "wertvollen" Preise und wie sich die Erringer darüber freuen, strahlende Kinderaugen sehen glaube ich anders aus.

 

Wer sich also ernsthaft fragt, was die Ursachen sind und nur andere Freizeitangebote, Internet, Globalisierung und steigenden Wettbewerb als Ursachen sieht, der macht es sich da etwas zu einfach. Wettbewerb ist sicherlich ein erst zu nehmender Punkt, aber der innerhalb der organisierten Rassegeflügelzucht. Aber dass ist ein anderes Seiten füllendes Thema.

 

Erstmal sollten wir anfangen auch Jugendliche wie vollwertige Mitglieder mit Respekt und Anerkennung zu behandeln und Sie nicht in hinterste Ecke unseres Zucht- und Ausstellungswesen zu stellen.

 

Dann werden auch mehr Jugendliche nach dem Wechsel von Jugend zu Senioren dabei bleiben. Stellt man sich vor: ein(e) Jugendliche(r) (ohne familiären Zuchtbackround) ist jahrelang in der Jugendschau sehr erfolgreich (ja sogar Europajugendmeister) nun wird sie/er 18 Jahre alt und stellt die Tiere mit BR mit niederschmetternden Ergebnissen in der "normalen" Abteilung aus, spätestens dann erkennt man, dass das jetzige System vorsichtig ausgedrückt ungeeignet ist. Bei den Jugendlichen heiß so etwas Fake.

 

Der Anlass für diese Zeilen:

Die Ehefrau eines Zuchtfreundes (selbst Mutter) fragte mich Montag beim Kaffeetrinken, wie das mit dem Züchternachwuchs in unserem Verein aussieht und ich antworte: wir haben einen Jugendlichen und der ist bisher Diskriminierungsresistent.

 

31.12.2014 Chris.Fischer

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Die Jugendlichen wissen jedenfalls was sich gehört, auf einer Trauerfeier lacht man nicht.